Auch in der Kunst ist es manchmal schwierig, die Balance zu finden. 

Wie kam ich zur Kunst? 
Naja, irgendwie war ich schon ein sehr verträumtes Kind. Ich war strohblond, hatte einen wunderbaren Wirbel, lief im Sommer immer barfuß und saß gerne auf einem Baum und erzählte mir selbst, wohlgemerkt mit zur Seite gelehntem Kopf und nach oben schauend, Geschichten, die ich noch nicht kannte. Noch heute wird in meiner Familie darüber gelacht.  
Phantasie war mir also in die Wiege gelegt. Damit fing es ja erst einmal schon ganz gut an, aber bis ich tatsächlich zum ersten mal in einer Zeitung als "Künstler" bezeichnet wurde, sollten viele Jahre ins Land gehen.  Künstler wird man nicht, ich glaube, Künstler ist man.  Es ist einfach der unbändige Drang, zu schaffen, zu schöpfen, etwas zu gestalten, den eigenen Gedanken eine Form zu geben, eine Sprache ohne Worte zu finden. 
Also man kann sagen, ich kam gar nicht über irgendwelche Schulen, Lehrer oder Gönner zur Kunst Sie war immer in mir, wollte unbedingt raus und hat es auch gegen alle Widerstände geschafft. Dafür bin ich dankbar, auch wenn das Leben als Künstler alles andere als ein Spiel ist. Die Zeiten  auf dem Baum sind vorbei, die der Geschichten und des barfußlaufens nicht.  Heute ist mein Atelier mein Baum, auf dem ich mir meine Welt erschaffe. 

 


 
Können Sie davon leben?
Kunst scheint immer irgendwie mit einem Hobby in Verbindung gebracht zu werden. Kunst ist so eine Sache, die macht man nebenbei, nach Feierabend, in der Freizeit. 
Ja, und dann gibts da doch tatsächlich so Künstler, die leben davon! Waaas? Ja, und da wird dann gerne gefragt: "Leben Sie davon?" 
Ja, sage ich dann. Ich lebe davon. Letztens kam eine sehr elegante Dame in mein Atelier , sie besitzt ein Boutique für teuere Damenoberbekleidung, und stellte eben diese Frage. Naja, ich war dann so unverschämt, zeigte mit dem Finger auf ihre Boutique und fragte: "Und Sie?". Oh je, das war eine echte Frechheit! Selbstverständlich lebt eine Boutiquebesitzerin von ihrer Arbeit, aber ein Künstler?  Ich kenne in meiner Stadt tatsächlich nur einen weiteren Künstler, der ausschließlich von seiner Kunst lebt, bei immerhin fast 80tausend Einwohnern. Aber gut, immer hin zwei und vielleicht gibt es ja noch weitere, von denen ich nichts weiß. 
Natürlich muss ich klar herausstellen, dass der Umstand, ob jemand von seiner Kunst lebt oder nicht, wenig bis gar nichts mit der Qualtität der Arbeit zu tun hat. Der Kunstmarkt funktioniert anders, er hat wenig mit der Qualität des Werkes zu tun, sondern es geht in der zeitgenössischen Kunst viel mehr um den Meister als um das Werk, aber das ist ein anderes Thema. Dennoch mag ich diese Frage nicht. Man stelle sich vor, ich könnte nicht davon leben und müsste nebenbei noch Taxi fahren, was ja extrem ok wäre, aber wahrscheinlich verliert meine Arbeit in den Augen der Kunden dadurch an Wert, was sie aber tatsächlich nicht täte, auch wenn ich einer anderen Tätigkeit zum Erwerb meines Lebensunterhaltes nachgehen müsste. Daher, diese Frage ist unberechtigt, ein wenig zu persönlich und ganz und gar sinnlos. 


 

"Kleinkunst" 
Hin und wieder habe ich das Bedürfnis, sehr großformatig zu arbeiten. Wenn dann so ein "Großprojekt" abgeschlossen ist, liebe ich diese Kleinformate. 
Irgendwie ist man da so nah dran. Die kleine Leinwand liegt auf meinen Knien, ich arbeite mit Stiften und Pinseln, sitze dabei auf dem Sofa im Atelier, höre Musik und lasse den Dingen ihren Lauf. 
Ist so ein kleines Bildchen dann fertig, gebe ich ihm gerne eine besondere Bedeutung, einen besonderen Platz. 
Sollte man seiner Kunst immer einen besonderen Platz, eine besondere Bedeutung geben? Ich bin mir da nicht sicher. Viele meiner Arbeiten stehen stiefkindlich in einer Ecke. Ich gehe dann oft achtlos daran vorüber und dann passiert ein kleines Wunder. Ein Kunde, eine Freundin oder meine Lebensgefährtin betreten das Atelier, schummeln ein bisschen herum und entdecken dann solche Stiefkinder, kramen sie hervor und plötzlich bekommen sie eine Bedeutung und ganz oft einen neuen, besonderen Platz. Aus klein wird groß und das hängt nicht im Geringsten von den physischen Ausmaßen ab. 
Wäre da nicht das Problem der Preisfindung. Wie finde ich als Künstler den richtigen Preis für mein Bild. Wieviel ist so ein Bild wert? Eigentlich eine unlösbare Aufgabe. Im weltweiten Kunsthandel werden nahezu unverschämte Summen verlangt und auch erzielt. Bei Arbeiten von relativ unbekannten Künstlern sieht das völlig anders aus. Es passiert, dass Kunden ins Atelier kommen und bei einem Preis für ein Werk von 50,- Euro schlucken und der nächste Kunde schreit "her damit".  Seit Jahren denke ich darüber nach, wie viel meine Arbeiten wert sind. Ein kleiner Künstler wie ich hat es schwer, weil der Kunstmarkt extrem undemokratisch ist, aber naja, irgendwe gehts immer und bisher hat noch fast jedes meiner Werke ein neues Zuhause gefunden. Kleinkunst, Großkunst. Balance finden, auch bei der Preisgestaltung. 

Wasser hat für mich eine große Anziehungskraft. Egal, ob es ein Fluss, ein See oder das Meer ist, ich fühle eine tiefe Verbundenheit zu diesem Element. 
Es mag daran liegen, dass ich in einer anderen Inkarnation ein walisischer Seemann war. Das erfuhr ich mal bei einer zufälligen Rückfuhrüng. 
Ja liebe Leserinnen und Leser, grinsen Sie ruhig, ich tue es auch, aber irgendwie war das ein Erlebnis, dass mir sehr nahe ging und über das ich enorm viel über mich selbst erfuhr. 
Möchten Sie die Geschichte hören? Egal, ich erzähle sie jetzt. Als Künstler darf ich das, weil man als Künstler alles darf. Ja, jetzt grinsen Sie ja schon wieder. 
Ja, also ein ganz lieber Freund schenkte mir einen Gutschein für eine Energiebehandlung, eine Art Wellness für die Seele. Herrlich, ich lag auf einer Liege, warm zugedeckt, Kerzen erleuchteten den Raum, leise Musik war im Hintergrund zu hören  und ich war schon tiefenentspannt, als die benandelnde Dame meine Füße berührte. Im gleichen Augenblick war ich mental schon in einer Natursteinkirche und heiratete eine junge Frau mit roten Haaren und schönem Lächeln. Kurz darauf befand ich mich auf einem Schiff, ich fühlte die Bewegung des Bootes, spürte den Wind und schmeckte Salz auf meinen Lippen. Die Reise war lang und ich landete im Orient. Hitze schlug mir entgegen, ich ging durch enge Gassen. Überall standen Fässer, lagen Säcke, Ware, viel Ware war zu sehen. Ich blieb lange im Orient, gefühlt Jahre. Zwischendurch schaute ich immer wieder zurück. Meine Frau stand auf einem grünen Hügel, hinter einer Trockenmauer und sah aufs Meer. Ich wusste, sie wartet auf mich. Später stand auch ein kleiner Junge neben ihr. Mein Sohn! Ein unglaubliches Gefühl! 
Irgendwann war ich viel weiter im Süden an einem Strand. Es könnte Indien gewesen sein, da bin ich mir aber nicht sicher. An diesem Strand fand ich mein Ende. Ja, ich starb durch einen Stich in den Rücken. Ein Schwert oder ein Speer durchbohrte meinen Körper und ich kehrte nie mehr heim. Als ich im hier und jetzt die Augen aufschlug, lächelte die Therapeutin und sagte, oh je, Marco, war das warm! Du hast eine Rückführung erlebt! Ich sah die ganze Zeit einen roten Drachen! Das war erstaunlich, wir hatten nämlich kein Wort gewechselt. 
Allerding hatte ich auch keine roten Drachen gesehen. 
Naja, daheim malte ich die Orte auf, besonders die Kirche und die Hügel. Ich zeigte dann einer Freundin, die in der ganzen Welt für eine Airline gearbeitet hatte, meine Zeichung und sie meinte sofort, dass das Wales sei. Dort habe sie eine Zeit lang gelebt. Super, ich hatte einen Anhaltspunkt und googelte mal. Ja, es war schon spooky, als der rote Drache auf der Landesflagge auftauchte. 
Als ganz kleines Kind, meine Eltern erzählten mir das immer, schrie ich immer den Namen Hüsam, wenn ich Angst hatte. Auch dieses Wort fand ich nach längeren Recherchen und es bedeutet "scharfes Schwert".  Ja, liebe Leserinnen und Leser, ich bin ein durchaus spirituell geprägter Mensch und hin und wieder findet diese Spiritualität auch ihren Weg in meine Kunst. 

Spurensuche und Inspiration

 

Für mich gibt es zwei drei wichtige Inspirationsquellen. 
Einerseits sind es Menschen mit ihren Geschichten. Es kommt vor, dass mich ein vorübergehender Mensch extrem inspiriert, etwas in mir auslöst und ich sofort Bilder im Kopf habe. Es mag an irgendeinem Detail, an einer Bewegung oder an seinem Blick liegen. Oft gebe ich diesen unbekannten Menschen Namen und denke mir dann etwas aus, eine Geschichte, ein Leben und all das kommt dann in irgendeiner Form auf die Leinwand. 
Das gesprochene oder geschiebene Wort ist ebenfalls enorm anregend, was meine Kreativität betrifft. Ganz oft denke ich: Oh, ein schönes Wort" und dann verfahre ich ähnlich wie bei den für mich inspirierenden Menschen. 
Die dritte Inspirationsquelle ist die Natur. In letzter Zeit bin ich häufig am Rhein und als wir jetzt im Sommer das Niedrigwasser hatten, war eine Spurensuche leicht möglich. Das Bild in diesem Abschnitt ist das Ergebnis einer dieser Spurensuchen. In diesem heißen Sommer war es möglich, weit ins Flußbett vorzudringen, teilweise 30 oder 40 Meter vom normalen Ufer lag der Rhein noch immer trocken undn ich konnte Stunden damit verbringen, dort entlang zu laufen und nach spannenden Dingen Ausschau zu halten. Da liegt Metall, Holz, viele Steine, Bauschutt und so weiter. Herrliche Wanderungen etspanend und anregend zu gleich. 

Dies wird ein kleiner, sehr persönlicher Blog über mein Tun, über meine Gedanken, Ziele und Träume.  Vielleicht interessiert es ja den ein oder anderen Besucher meiner Homepage. Wie schon auf der Startseite erwähnt, ist Kunst meine Sprache und so versuche ich diese hier noch mal für Sie zu übersetzten. 
Hoffentlich haben die Leser genauso viel Freude daran wie ich selbst. Viel Spaß uns allen! 
Marco Büning